Facts

  • Modelljahr

    1925
  • Hersteller

    Avis Flugzeug- und Autowerke GmbH
  • Produktionsort

    Brunn am Gebirge, Niederösterreich
  • Motor

    wassergekühlter Viertakt-Zweizylinder
  • Leistung

    20 PS bei 3.000 U/min
  • Status

    einziges derzeit bekanntes Exemplar
  • Zustand

    restauriert, zugelassen und fahrbereit
  • Fahrerteam

    KR Ing. Robert Krickl und Dr. Robert Krickl

Ein österreichischer Kleinwagen mit 20 PS, eine Schneewand in den Alpen und eine Reise, die hundert Jahre auf ihre Vollendung warten musste. Das ist die Geschichte des AVIS Type 3. 1926 brach ein Werksteam der AVIS-Werke von Wien zur Rallye Monte-Carlo auf. Kurz vor Italien machte meterhoher Schnee jede Weiterfahrt unmöglich.

100 Jahre später wird die Fahrt fortgesetzt. Das einzige heute bekannte Exemplar eines AVIS Type 3 wurde restauriert, wieder zugelassen und soll im Rahmen der „Mission Monte-Carlo 26“ bis nach Monaco fahren. Das Red Bull Ring Classics bildet eine zentrale Station dieser außergewöhnlichen Reise.

Das Fahrzeug

Der AVIS stammt aus einer kurzen, heute beinahe vergessenen Phase österreichischer Automobilgeschichte. Die AVIS-Werke in Brunn am Gebirge produzierten nicht nur Personen-, Sport-, Taxi- und Lieferwagen, sondern waren zugleich die erste neue Flugzeugfabrik der jungen Republik Österreich.

Der Type 3 folgte 1925 auf den nahezu baugleichen Type 2. Weil die Unterschiede gering waren, werden beide Bezeichnungen bis heute häufig gemeinsam verwendet. Seine 20 PS wirken bescheiden, doch geringes Gewicht und eine einfache Konstruktion machten den Kleinwagen auch für Steigungen, schlechte Straßen und unbefestigte Wege geeignet.

Die nicht vollendete Fahrt von 1926

Am 19. Jänner 1926 startete in Wien erstmals ein österreichisches Werksteam unter rot-weiß-roter Fahne zur Rallye Monte-Carlo. Der kleine Serienwagen der AVIS-Werke hielt sich über weite Strecken im vorgesehenen Zeitplan und stellte sich einer Route, auf der andere Teilnehmer gar nicht erst antraten.

An der Grenze zu Italien endete die Fahrt. Meterhoch aufgetürmter Schnee und fehlende Räummöglichkeiten machten die Weiterreise unmöglich. Nicht ein technischer Defekt stoppte den AVIS, sondern höhere Gewalt. In Monaco bedauerte man, dass kein österreichischer Wagen das Ziel erreicht hatte.

Hard Fact

Das historische Armaturenbrett des erhaltenen AVIS verfügte ursprünglich offenbar nur über einen Tachometer. Für die Fernfahrt nach Monaco wurde deshalb zusätzliche Sensorik eingebaut, die unter anderem Drehzahl und Öltemperatur überwacht.

Die Technik wurde reversibel installiert. Sie liefert wichtige Betriebsdaten, ohne den historischen Charakter des Fahrzeugs durch einen dauerhaften modernen Umbau zu verändern. Alte Mechanik trifft auf diskrete Zustandsüberwachung.

Rückkehr auf die Straße

Das heute erhaltene Fahrzeug wurde 2021 entdeckt und gilt als einziges bekanntes Exemplar der Baureihe. Nach umfangreicher Restaurierung wurde der AVIS wieder straßenfahrtauglich gemacht. Am 25. Mai 2026 erhielt er seine Zulassung und das Kennzeichen „MD AVIS1“.

Bereits 2025 wurde der Wagen zum Motiv einer Sonderbriefmarke der Österreichischen Post. Die Marke erschien mit einem Nennwert von 3,50 Euro und einer Auflage von 150.000 Stück. Danach wurde der AVIS im Museum Niederösterreich präsentiert – nun kehrt er von der Ausstellung endgültig auf die Straße zurück.

Die Geschichte hinter der Mission

Die „Mission Monte-Carlo 26“ ist keine Neuauflage der Rallye und keine sportlich gewertete Wettbewerbsfahrt. Sie soll die 1926 unterbrochene Reise symbolisch vollenden und gleichzeitig österreichische Technikgeschichte sichtbar machen.

Am 25. August 2026 startet der AVIS vor dem Museum Niederösterreich in St. Pölten. Die Route führt über Österreich, Italien und Frankreich nach Monaco, wo ein offizieller Empfang durch den Automobile Club de Monaco vorgesehen ist. Unterwegs wird der Wagen zum rollenden Museum: mit öffentlichen Stopps, Schulprojekten, technischen Untersuchungen sowie umfangreicher Bild-, Ton- und Filmdokumentation. Die dabei entstehenden Zeitzeugnisse sollen anschließend langfristig archiviert werden.

Mythos

Das heute erhaltene Fahrzeug wird gelegentlich als jener konkrete AVIS bezeichnet, der 1926 zur Rallye Monte-Carlo aufbrach. Dafür fehlt bislang jedoch eine öffentlich dokumentierte, lückenlose Verbindung über Fahrgestellnummer, Werksunterlagen oder Besitzgeschichte.

Gesichert ist: Der Wagen stammt aus derselben Baureihe und ist baugleich mit dem damaligen Rallyefahrzeug. Die präzisere Geschichte ist deshalb nicht die Rückkehr eines eindeutig identifizierten Wettbewerbswagens, sondern die Rückkehr einer fast vollständig verschwundenen österreichischen Automarke.

Auch die Bezeichnungen Type 2 und Type 3 lassen sich nicht immer sauber trennen. Bereits in der historischen Überlieferung wurden sie häufig nebeneinander verwendet. Für das erhaltene Fahrzeug ist deshalb die Bezeichnung „AVIS Type 2/3“ am genauesten.