RED BULL LEGENDS PARADE 2026: LOTUS 77 (1976)

Lotus 77 in Action auf der Rennstrecke

Facts

  • Team

    Lotus
  • Motor

    Ford Cosworth DFV V8
  • Hubraum

    2.993 ccm, 90° V8-Zylinder
  • Leistung

    465 bis 485 PS
  • Gewicht

    575 kg
  • Konstrukteur

    Colin Chapman – und eine Gruppe Mitarbeiter
  • Piloten

    Ronnie Peterson, Gunnar Nilsson, Mario Andretti, Bob Evans
  • Im Einsatz

    1976
  • Starts und Siege

    16 Rennen, 1 Sieg
  • Besonderheit

    3. Platz am Österreichring 1976 mit Gunnar Nilsson, Start-Ziel-Sieg von Andretti in Fuji
  • Fahrer bei der Red Bull Legends Parade

    Jan Lammers

Das Auto

Mit dem hochtalentierten Renningenieur wurde das Auto völlig neu konzipiert. So fiel die eckige Airbox über dem Kopf des Fahrers weg. Eine völlig neu gedachte Vorderradaufhängung verbesserte die Aerodynamik. Der Ölkühler wurde für eine deutlich verbesserte Gewichtsverteilung in die Fahrzeugnase versetzt. Die Piloten konnten den Stabilisator an der Hinterachse während der Fahrt verstellen, also während des Rennens am Set-Up arbeiten. Das Entscheidende aber kam im Herbst: Lotus baute einen experimentellen Unterboden ein: der Beginn einer der größten Revolutionen der Formel-1-Geschichte. Diese Innovation hatte die ersten Ansätze der späteren Wing Cars. Es ermöglichte sehr hohe Kurvengeschwindigkeiten durch Ausnutzung des Ground Effects. Dazu wurden die ursprünglich sehr kurzen Seitenkästen weiter nach vorne gezogen. Zwei Jahre später hat Lotus dieses Prinzip perfektioniert – und die Konkurrenz in Grund und Boden gefahren. Alle anderen Teams mussten nachziehen.

 

Die Piloten

Abwechselnd Mario Andretti, Bob Evans, Ronnie Peterson und Gunnar Nilsson. Die beiden Schweden fuhren gemeinsam bei Lotus, beide starben schon 1978: Ronnie nach einem Unfall in Monza, Gunnar einen Monat nach ihm.

Gut zu wissen

Die legendäre John Player Special-Lackierung wurde zum Synonym für Lotus. Von 1972 bis 1986 traten die Autos des Teams fast durchgehend in den schwarz-goldenen Farben an.

Die Geschichte

Der Lotus 77 aus dem Jahr 1976 markiert einen Wendepunkt in der Geschichte des Kult-Rennstalls. Der eigenwillige wie geniale Teamgründer Colin Champman begann mit diesem Auto und nach dem bescheiden erfolgreichen Lotus 76 damit, die Entwicklung eines Rennautos zunehmend als Teamwork zu betrachten. Er übertrug Ingenieuren wesentlich mehr Verantwortung. Unabhängig voneinander, anhand gewisser Vorgaben, sollte jeder die Entwicklung eines Bereiches garantieren. Die Kommunikation ging oft schief. So lagen Teile der ursprünglich erdachten Vorderradaufhängung wie die Federung und die Bremsen außerhalb des Chassis, was die Aerodynamik störte und die Höchstgeschwindigkeit drastisch reduzierte. Die erste Variante hatte keine aerodynamischen oder technischen Innovationen, also das genaue Gegenteil eines klassischen Chapman-Lotus. Erst die Verpflichtung des jungen Tony Southgate brachte die Wende.

Der Fahrer bei der Red Bull Legends Parade: Jan Lammers

Obwohl der 1956 in Zandvoort geborene Holländer in seinen 23 GP-Rennen für die Teams Shadow, Ensign, ATS, Theodore und March chancen- und punktelos blieb, hält er doch heute einen kaum mehr zu brechenden Rekord in der Formel 1: Als er kurz vor dem Ende der Saison 1992 den zu Sauber wechselnden Karl Wendlinger bei March ersetzte, stellte er mit zehn Jahren, drei Monaten und 22 Tagen auch einen Rekord für die längste zeitliche Distanz zwischen zwei aufeinanderfolgenden Rennstarts in der Königsklasse auf. Außerhalb des Grand-Prix-Sports hatte Lammers beeindruckendere Erfolge: Er gewann sowohl in Le Mans als auch in Daytona die 24-Stunden-Klassiker. Und er ist bei der Red Bull Legends Parade als Lotus-Pilot kurioserweise Markenkollege eines gewissen Karl Wendlinger.